Di  05.10.04 

Ligaturen und das "SZ"

Veröffentlicht in: Typografie 3 Kommentare »

Liga­tur (Typo­gra­fie)
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Eine Liga­tur ist eine Buch­sta­ben­ver­bin­dung. Sie hat sich his­to­risch ent­we­der durch schnelle Schreib­weise häu­fig genutz­ter Zei­chen gebil­det oder wurde zur opti­schen Kor­rek­tur anders als die Ein­zel­zei­chen geschrieben.

Ein bekann­tes Bei­spiel für eine Liga­tur ist das &-Zei­chen. Ursprüng­lich wurde es als Ein­zel­buch­sta­ben et geschrieben.

In der Schreib­schrift hat es sich zunächst in eine Dar­stel­lung ent­wi­ckelt, in der der Bogen vom klei­nen e in den Stamm des klei­nen t über­geht.
Wenn das E groß geschrie­ben wird, ergibt sich
die Dar­stel­lung in vie­len kur­si­ven Schrif­ten:
© 2004

Dar­aus hat sich durch wei­tere Ver­ein­fa­chung das heute bekannte Kaufmanns-Und gebil­det:
© 2004

Eine andere Art von Liga­tu­ren ist beim ß oder bei den Buch­sta­ben­kom­bi­na­ten ff und fl zu beachten.

© 2004
Links ohne Liga­tur und rechts mit Ligatur

Die Anzahl der Liga­tu­ren ist bei ver­schie­de­nen Schrift­ar­ten unter­schied­lich. Die Liga­tu­ren wer­den übli­cher­weise typo­gra­fisch gestal­tet und bil­den nicht nur eine ein­fa­che Ver­klei­ne­rung der Lauf­weite, wie man auch beim genauen Betrach­ten der ange­ge­be­nen Bei­spiele sehen kann.

Ein Grund für die Zusam­men­füh­rung der Zei­chen ist die Ver­mei­dung von opti­schen Lücken, die beim schnel­len und ange­neh­men Lesen stö­ren würden.

Das ß

das sz

Die im Deut­schen am häu­figs­ten ver­wen­dete Liga­tur ist das so genannte Eszett oder scharfe s, manch­mal auch spit­zes s oder Dreier-S genannt. Obwohl das ß his­to­risch eine Liga­tur ist, wird es heute als Buch­stabe betrach­tet und behan­delt. Das deut­sche ß hat sich als Liga­tur aus lan­gem ?‹ und z entwickelt.

Ursprüng­lich wurde diese Liga­tur nur in der Frak­tur­schrift ver­wen­det. Als es im Lauf des 19. Jahr­hun­derts immer übli­cher wurde, deut­sche Texte auch in Anti­qua zu set­zen, schuf man auch für die Anti­qua ein ß nach dem Vor­bild der Fraktur-Rechtschreibung.

Update
Die SZ-Ligatur ist ja so eine Spe­zia­li­tät. Man strei­tet sich ganz gern was für eine Liga­tur daß denn nun wirk­lich ist. Einige mei­nen es sei eine Liga­tur aus dem lan­gen Frak­tur s und dem eben nicht so lan­gen s. Andere – wie ich – den­ken eher, daß es sich um eine Liga­tur aus dem lan­gen Frak­tur s und dem alten z handelt…

Das Font­blog meint dazu hier:
[…]Die Exper­ten sind sich nach jüngs­ten Erkennt­nis­sen darin einig, dass das ß wohl doch eine Liga­tur aus dem lan­gen Fraktur-s und dem Fraktur-z mit Unter­länge ist, wobei Max Boll­wage diese »z« als eigen­stän­di­ges Zei­chen iden­ti­fi­ziert hat […]

sz Ligatur ss oder sz

Völ­lig unab­hän­gig von der sz-Ligatur in der deut­schen Frak­tur gibt es eine Liga­tur aus lan­gem ? und run­dem s, die bis­wei­len in alten fran­zö­si­schen oder eng­li­schen Tex­ten anzu­tref­fen ist. Als das lange ? im Lauf des 18. Jahr­hun­derts außer Gebrauch geriet, wurde diese Liga­tur nicht mehr ver­wen­det. Als jedoch spä­ter in den deut­schen Antiqua-Schriften das ß neu ein­ge­führt wurde, lehnte man es in der Form z.T. an jene alte ?s-Ligatur an.

Der Typo­graph Jan Tschi­chold ver­suchte her­zu­lei­ten, dass auch das deut­sche ß aus den Frak­tur­schrif­ten auf eine Liga­tur aus einem lan­gen ? und einem kur­zen s zurück gehe. Diese Ansicht hat sich weit ver­brei­tet, obwohl sie von kei­nem ein­zi­gen stich­hal­ti­gen Argu­ment gestützt wird. Tschi­chold beschränkt sich näm­lich auf eine selbst­ge­zeich­nete Gra­fik, anhand derer er die angeb­li­che, aber unbe­wie­sene Ver­schmel­zung von ? und s in der Frak­tur dar­stellt, und auf einen zwar rich­ti­gen, aber gegen­stands­lo­sen Hin­weis auf die ?s-Ligatur in fran­zö­si­schen Antiqua-Schriften des 18. Jahrhunderts.

Wei­tere Liga­tu­ren
Ähn­lich wie das ß und das &-Zei­chen ent­stand auch das % aus einer Liga­tur der Buch­sta­ben cto für cento (ital. hundert).

Liga­tu­ren im Schrift­satz
Im Frak­tur­satz und auch beim Satz von Anti­qua­schrif­ten wer­den meh­rere Liga­tu­ren ver­wen­det. Dies ist der Fall, wenn zwei »läng­li­che« Buch­sta­ben (f, i, l, ?, t) auf­ein­an­der­tref­fen. Fol­gende Ver­bin­dun­gen sind mög­lich:
f+f, f+i, f+l, f+t ?+i, ?+?, ?+t; ?+c+h l+l, t+t

In skan­di­na­vi­schen Tex­ten fin­det man außer­dem die im Deut­schen unbe­kann­ten Ver­bin­dun­gen s+k und ?+l.

Der Gebrauch der oben genann­ten Liga­tu­ren unter­liegt allein dem ästhe­ti­schen Gefühl des Schrei­bers. Im Gegen­satz dazu gibt es im deut­schen Text drei so genannte Zwangs­li­ga­tu­ren beim Frak­tur­satz, wobei diese Ver­bin­dun­gen einen pho­no­lo­gi­schen Hin­ter­grund haben:
c+h, c+k, t+z

Das ch bezeich­net im deut­schen zwei eigene Laute (den ich– und den ach-Laut), wäh­rend ck und tz anstelle von kk und zz geschrie­ben wer­den. ch und ck fin­den sich eben­falls im deut­schen Antiqua-Satz bis in die 70er Jahre des 20. Jahr­hun­derts. Wenn c und k getrennt gespro­chen wer­den, wie zum Bei­spiel in eini­gen Namen, wurde jedoch keine Liga­tur ver­wen­det. Liga­tu­ren wer­den nicht über eine Wort­fuge hin­weg gebun­den, ver­glei­che Kauf-leute und Kau-fläche, letz­te­res mit Liga­tur, aber das fällt nur sehr sorg­fäl­ti­gen Lesern auf.

Liga­tu­ren im Com­pu­t­er­satz
Der Com­pu­t­er­satz erlaubt eine fast belie­bige Posi­tio­nie­rung der Buch­sta­ben. Des­halb ist es mög­lich, den Abstand zwi­schen zwei Zei­chen ein­zu­stel­len und in vie­len Fäl­len auf Liga­tu­ren zu ver­zich­ten. Die ß-Ligatur wird stan­dard­mä­ßig ver­wen­det und als ein Buch­stabe behan­delt. In guten Fonts sind spe­zi­elle Liga­tu­ren vor­han­den. Die ande­ren Liga­tu­ren wer­den durch ent­spre­chende Posi­tio­nie­rung der typo­gra­fi­schen Zei­chen emuliert.

Neue Satz­pro­gramme wie Adobe InDe­sign 2.0 set­zen, soweit im Schrift­satz vor­han­den, auto­ma­tisch Liga­tu­ren. Diese Liga­tu­ren wer­den intern nicht als ein Son­der­zei­chen son­dern wei­ter­hin als getrennte Buch­sta­ben behan­delt, so dass eine Recht­schreib­prü­fung pro­blem­los mög­lich ist.

Bei Micro­soft Word hin­ge­gen müs­sen Liga­tu­ren als Son­der­zei­chen ein­ge­fügt wer­den und ver­wir­ren die Recht­schreib­prü­fung. Das Emu­lie­ren von Liga­tu­ren aus meh­re­ren Ein­zel­zei­chen gelingt dann gut, wenn das Schrift­de­sign des Fonts dar­auf bereits ange­passt ist. In Open­Type sind Liga­tu­ren vor­ge­se­hen und kön­nen pro­blem­los ein­ge­setzt wer­den, wenn das Satz– oder Schreib­pro­gramm Open­Type unter­stützt (bis­her tut das nur InDesign).

Schwie­rig­kei­ten kön­nen sich bei der Recht­schreib­prü­fung erge­ben. Selbst einige Satz­pro­gramme unter­stüt­zen die Ver­wen­dung von Liga­tu­ren nur in recht auf­wen­di­ger Weise. Einige Satz­pro­gramme (zum Bei­spiel TeX) ver­la­gern die Ver­wen­dung von Liga­tu­ren in den Aus­ga­be­pro­zess. Das kann das Pro­blem nur teil­weise lösen, da es kon­text­ab­hän­gig ist, ob ein Zei­chen als Liga­tur gesetzt wer­den muss oder nicht. Der Set­zer muss expli­zit ange­ben kön­nen, ob eine Liga­tur gesetzt wer­den soll oder nicht (bei TeX z.B. »Kauf/leute« zur Unter­bin­dung der auto­ma­ti­schen Liga­tur). Wenn beim Buch­satz Wert auf gutes Aus­se­hen gelegt wird, ist die Ver­wen­dung von Liga­tu­ren zwin­gend notwendig.

Unge­wollte »Liga­tu­ren« kön­nen ent­ste­hen, wenn Buch­sta­ben zu eng zusam­men­ge­rückt wer­den. Die­ses unbe­ab­sich­tigte Zusam­men­sto­ßen ist zu ver­mei­den. Gute Fonts ent­hal­ten ent­spre­chende Infor­ma­tio­nen zur Opti­mie­rung der Dar­stel­lung im Druck­ras­ter, wie zum Bei­spiel Hints.

Liga­tu­ren in ande­ren Schrif­ten
Nicht nur in der latei­ni­schen Schrift gibt es Liga­tu­ren, auch in vie­len ande­ren sind sie vor­han­den. Zum Teil müs­sen sie obli­ga­to­risch ver­wen­det wer­den und sind bedeutungsunterscheidend.

Ara­bi­sche Schrift
In der ara­bi­schen Schrift ist die Form des Zei­chens vom Kon­text abhän­gig. Die Zei­chen wer­den aber nicht nur in der Form ver­än­dert, son­dern auch ver­bun­den, so dass Liga­tu­ren entstehen.

Deva­na­gari
Bei Deva­na­gari wird Vokal­lo­sig­keit des Kon­so­nan­ten in Kon­so­nan­ten­grup­pen durch Liga­tur, am Wort­ende durch Virama bezeichnet.

Lite­ra­tur

  • Jan Tschi­chold: Meis­ter­buch der Schrift, Ravens­burg, 1952, 2. Aufl. 1965
  • Albert Kapr: Schrift­kunst, Dres­den, 1971, 1996
  • Georg Kandler: Erin­ne­run­gen an den Blei­satz, Band 1 (1995) und Band 2 (2001), Min­ner Ver­lag, Kornwestheim
  • Carl Faul­mann: Das Buch der Schrift, Wien 1880 (Nach­dru­cke sind erhältlich)

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3 Kommentare zu »Ligaturen und das "SZ"«

  1. frithjof sagt:

    Danke, jetzt wei? ich end­lich wie man das & ordent­lich (handschriftlich)schreiben kann.

  2. mekka sagt:

    Die Frage beim ? ist: Ist die rechte Hälfte ein s, ein z oder das so genannte Dreierles-s? Und Max Boll­wage hat eben Letz­te­res fest­ge­stellt. Für die ande­ren Vari­an­ten hab ich keine stich­hal­ti­gen Erklä­run­gen gefunden.

    Au?erdem würde ich im heu­ti­gen Kon­text das ? nicht mehr als Liga­tur bezeich­nen, jeden­falls nicht als die häu­figste im Deut­schen. Das wäre dann ja das w (eine Liga­tur aus zwei v).

  3. Nadine sagt:

    Hallo Mekka,

    das w ist auch eine Liga­tur aus zwei v und zwar neben dem ? die Ein­zige aus der ein eige­ner Buch­stabe gewor­den ist. Die rechte Hälfte des ? hat zwei Ursprünge, in den Gebro­che­nen Schrif­ten (Frak­tur etc.) ist es ein z (daher der Name ?, in den Anti­qua­schrif­ten ist es ein s.

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