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Fr  15.10.04 

Nettes Tagebuch eines Arbeitslosen

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Bei dem durch­aus inter­es­san­tem Web­log www.oleoleole.de habe ich soeben ein schö­nes klei­nes Tage­buch eines Arbeits­lo­sen gele­sen. In Teil 4 des Tage­bu­ches fin­det sich zum Bei­spiel eine doch recht inter­es­sante Ver­knüp­fung zwi­schen einem Karp­fen, dem Arbeits­lo­sen, Ang­lert­he­sen und öffent­li­chem Sex.

Also bitte mal hier vor­bei­sur­fen

Zitat von oleoleole:

Den Text hab ich schon län­ger mal geschrie­ben. Heute hab ich ihn zufäl­lig mal wie­der ent­deckt. Ich finde ihn ganz nett, des­we­gen poste ich ihn mal hier. Viel­leicht kurz zur Vor­ge­schichte: Damals war ich mal für ca. 6 Wochen arbeits­los. Der Text gibt Erleb­nisse (alles wahr. ich schwöre) und Emp­fin­dun­gen des ers­ten Tages wieder.

9:00 Uhr — Ver­dammt. Sohn und Frau schla­fen noch immer. Bin schon seit einer Stunde wach und lang­weile mich. Werde jetzt mal AA machen.

9:30 Uhr — Ahh, fer­tig. Jetzt kann der Tag begin­nen. Sohn mitt­ler­weile durch die Geräu­sche aus dem Bad geweckt. Er ist mir dafür sicher dank­bar. Frau ist auch wach — aller­dings nicht beson­ders dank­bar. Werde die bei­den mor­gen zärt­li­cher wecken müssen.

9:45 Uhr — Zum ers­ten Mal seit Jah­ren schwinge ich mich auf mein Fahr­rad, um zum Bäcker zu fahren.

9:45 Uhr und 15 Sekun­den — Gebe ent­kräf­tet auf und schiebe das Rad zurück in die Garage. Mor­gen werde ich es wie­der versuchen.

9:50 Uhr — Beim Bäcker Sem­meln und eine Bild­zei­tung erstan­den. Und: Bäckerei-Fachverkäuferin so ver­wirrt, dass Sie mir zu viel raus­ge­ge­ben hat. Sehr gut. Werde meine Tak­tik mor­gen noch mal ver­bes­sern, und ver­su­chen noch mehr rauszuholen.

9:55 Uhr — Kaf­fee, Sem­meln und Bre­zen — ein zufrie­de­ner Sohn — hach der Tag ist schön.

10:15 Uhr — Früh­stück been­det — Sohn pennt — Frau ist noch immer zor­nig wegen der Art sie zu wecken — Erste Lan­ge­weile kommt auf….werde mal die Dach­rinne sau­ber machen.

10:30 Uhr — Vol­ler Moti­va­tion rie­sige Lei­ter auf­ge­baut. Mit Spach­tel und Eimer bewaff­net wage ich mich an den Aufstieg.

10:31 Uhr — Vor Angst wie gelähmt klam­mere ich mich an der Dach­rinne fest. Ist höher, als ich dachte…

10:32 Uhr — Ver­kramp­fun­gen lösen sich lang­sam wie­der auf. Kann sogar eine Hand von der Dach­rinne neh­men. Sehr gut. Beginne mit der Säuberung.

10:32 Uhr — Erste blu­tende Wunde. Flü­che, Abstieg. Lasse mich von Frau ver­bin­den und ordere ein def­ti­ges Mit­tag­es­sen. Harte kör­per­li­che Arbeit macht hungrig.

10:35 Uhr — Steige wie­der auf. Bin genervt. Werde den Ver­such das Rau­chen auf­zu­ge­ben auf mor­gen ver­schie­ben. Steige wie­der ab und rau­che erstmal.

10:40 Uhr — Todes­mu­ti­ger Wie­der­auf­stieg. Warte dar­auf das die Angst-Krämpfe sich lockern. Beginne dann mit der Arbeit.

10:45 Uhr — Ent­de­cke einen Mega-Knochen in der Dach­rinne. Frage mich, wie der da hin­kommt. Erste Ver­däch­tige: Frau oder Sohn. Könnte aber auch der ver­dammte Rabe gewe­sen sein, der mich beob­ach­tet. Ver­jage ihn mit dem Knochen.

10:50 Uhr — Dach­rinne nicht so ver­schmutzt wie gedacht. Schon fast fer­tig. Der Rabe ist wie­der da. Hat einen Stein im Schna­bel — Frage mich, was er damit will.

10:51 Uhr — Dach­rinne auf der Nord-Seite gerei­nigt. Rabe hat noch immer Stein im Schna­bel und trip­pelt über den Dach­first in meine Rich­tung. Argh, jetzt weiß ich, was er vor hat. Er lässt den Stein übers Dach in meine Rich­tung kul­lern. Möchte damit wahr­schein­lich Lawine aus­lö­sen und mich töten.
Stein hat mich knapp ver­fehlt. Steige ab. Mache Plan zur Erle­gung des Raben. Werde ihn mor­gen in die Tat um setzten

12:30 Uhr — Dach­rinne an der Süd-Seit gerei­nigt. Blute aus unzäh­li­gen klei­nen Wun­den an der Hand. Rabe hat mich die ganze Zeit beob­ach­tet — aber: Keine Anschläge mehr mit Stei­nen. Scheint die Gefahr zu spü­ren, in der er sich befin­det. Mor­gen wird er sterben!

12:40 Uhr — Mit­tag­es­sen. Sehr gut. Die Wun­den an mei­ner Hand bren­nen ein wenig. Rabe sitzt auf dem Dach gegen­über. Scheint mich zu beobachten.

13:03 Uhr — Kreuz­wort­rät­sel in der Bild­zei­tung in drei Minu­ten kom­plett gelöst. Brau­che ein grö­ßere Her­aus­for­de­rung. Werde mir mor­gen in der Bäcke­rei ein Rät­sel­heft besorgen.

14:00 Uhr — Will Rei­fen am Rad auf­pum­pen. Stelle fest, dass der Rabe auf den Sat­tel gekackt hat. Ver­dammt. Er muss sterben!

14:40 Uhr — Lang­weile. Werde mich jetzt duschen und dann zum Bil­lard fah­ren. Die Arbeits­lo­sig­keit beginnt sehr viel versprechend….

PS: Für alle Tier­schüt­zer. Auf­grund gro­ßen Drucks höhe­rer Instan­zen (Frau/Sohn), lebt der Rabe auch heute noch. Wir pfle­gen aber eine innige Feindschaft.

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