Fr  03.06.05 

Aus Fchlcrn Lesen [001]

Veröffentlicht in: Fchlcr Keine Kommetare »

So, lang‹ hab ich mir meine Diplom­ar­beit nicht mehr ange­schaut, doch nun musste es ein­fach noch­ein­mal sein. Mir gefällt inzwi­schen zwar gar nicht mehr die Spi­ral­bin­dung des Teils – hätte ich doch bloß nen bis­sel mehr Geld auf’n Tisch gelegt für ne ordent­li­che Bin­dung. Doch Feh­ler gesche­hen eben immer wieder.

Ich werde nun mal einen Teil des Buches hier auf mei­ner Seite ver­öf­fent­li­chen – wenn ich’s nicht ver­ges­sen sollte wer­den auch noch ein paar Fort­set­zun­gen fol­gen.

Vorwort

Feh­ler: Defekt, Fehlleistung,…

Feh­ler: Defekt, Fehl­leis­tung, Irr­tum, Kapi­tal­feh­ler, Lap­sus, Las­ter, Makel, Man­gel, Miß­griff, Nach­teil, Pat­zer, schnit­zer, Schuld, schwä­che, Takt­lo­sig­keit, Unge­schick, Unrich­tig­keit, Unstim­mig­keit, Unzu­läng­lich­keit, Ver­feh­lung, Ver­ge­hen, Ver­rech­nung, Ver­se­hen, Zuwi­der­hand­lung, Übertretung…

Wir haben viele Worte für die Beschrei­bung des­sen, was nicht sein soll, was in irgend­ei­ner Form nicht rich­tig und feh­ler­haft ist. Doch woher wol­len wir wis­sen, was rich­tig und was falsch ist, und vor allem, warum wol­len wir keine Feh­ler bege­hen? Haben wir doch schnell gelernt, daß wir unser Wis­sen zu gro­ßen Tei­len auf Feh­lern gewin­nen, die wir im Laufe der Zeit bege­hen – gern nach­träg­lich auch Erfah­rung genannt. So han­gelt man sich dann von Feh­ler zuFeh­ler und hoffr dar­aus zu ler­nen – Das berühmte »Try and Error« Ver­fah­ren eben, ohne wel­ches wahr­schein­lich kein Kind die tat­säch­li­chen Kon­se­quen­zen einer hei­ßen Herd­platte wird ver­ste­hen können.

Da hilft ganz ein­fach keine noch so päd­ago­gisch wer­volle Anspra­che besorg­ter Eltern, denn wirk­lich kapiert hat man es erst, wenn man sich mal ordent­lich ver­brannt hat. Die­ses, die Erleuch­tung brin­gende Ver­bren­nen, scheint uns bis ins hohe Alter zu beglei­ten – ganz gleich ob es nun die ers­ten Selbst­ver­su­che mit Alko­hol, Befehls­ver­wei­ge­run­gen gegen­über Eltern, Leh­rern, Vor­ge­setz­ten, Poli­zis­ten, Steu­er­be­hör­den oder Lebens­part­nern, oder was auch immer sind.

Die Törich­ten & Die Geschei­ten
Doch beson­ders dumm ist die­ses Vor­ge­hen nur, wenn man immer wie­der an den sel­ben Feh­lern schei­tern, oder wie es der öster­rei­chi­sche Erzäh­ler Karl Hein­rich Wag­gerl gesagt hat: »Am Auf­fäl­ligs­ten unter­schei­den sich die Leute darin, daß die Törich­ten immer wie­der die­sel­ben Feh­ler machen, die Geschei­ten immer wie­der neue.»
Inso­fern sollte man sich ein ums andere Mal freuen, wenn man es wie­der geschafft hat einen neuen feh­ler zu bege­hen und gar nicht erst ver­su­chen, die Feh­ler vor­sich­tig zu umschiffen.

Das Mensch­li­che ist Feh­ler
Abge­se­hen von die­ser sicher­lich beson­ders erfolg­rei­chen Lern­me­thode stellt sich aber des wei­te­ren die Frage, ob es über­haupt immer erstre­bens­wert ist, keine Feh­ler zu bege­hen. Denn die bekann­ten Wege zu den per­fek­ten idea­len Ergeb­nis­sen haben den ent­schei­den­den Nach­teil, daß sie bereits von Mas­sen durch­schrit­ten wur­den – ein­fach weil die Masse die­ses ideale Ergeb­nis anstrebt. Auf diese Weise wer­den bei­spiel­weise in der Gestal­tung wohl kaum wirk­lich neue oder ein­zig­ar­tige Ergeb­nisse erzielt. Auch fehlt dem Per­fek­tio­nis­ti­schen gera­dezu grund­sätz­lich jeder Hauch von Mensch­lich­keit oder gar Leben, denn nicht das Per­fekte ist mensch­lich son­dern das Irren.

»Errare huma­num est« Lucius Anna­eus Seneca, 4–65 nach Christus.

Die Bezie­hung zu dei­nem Auto
Oft bauen wir gerade zu den Din­gen eine Bezie­hung auf, die eben nicht per­fekt sind. So gibt es sicher­lich deut­lich mehr, sich vor der nächs­ten Tüvin­spek­tion fürch­tende Autos die einen Namen tra­gen, als fabrik­neue Super­au­tos, und das wohl auch nicht aus rei­ner Für­sorge oder Mit­leid. Ich selbst gar­tu­liere mei­nem Auto jedes­mal, wenn es mich wie­der mal heil nach Köln oder wo auch immer hin getra­gen hat, und das Über­schrei­ten der magi­schen 100.000 Kilo­me­ter, was zu einer Anzei­gen­tech­ni­schen Wie­der­ge­burt mei­nes Polos führte, (sein Tacho­me­ter hat nur fünf Stel­len) wurde gebüh­rend mit einer Bier­do­sentaufe gefei­ert. Wer macht so was schon mit ‘nem neuen BMW? Ich wills eigent­lich gar nicht erst wissen.

Com­pu­ter­angst
Wahr­schein­lich wären Com­pu­ter auch nie so erfolg­reich gewor­den, wenn sie ihrem Ruf von Unfehl­bar­keit wirk­lich bedin­gungs­los gerecht wären – schließ­lich haben wir fehl­ba­res Men­schen­we­sen eher Angst vor der Zusam­men­ar­beit mit unfehl­ba­ren Maschi­nen. Nach­dem man sich mit der Maschine aber ver­traut gemacht hat und merkt, wie dümm­lich feh­ler­haft sie ist, erträgt man die Zusam­men­ar­beit deut­lich leichter.

Die Welt ist echt
Eine wirk­lich feh­ler­freie Welt kann wahr­schein­lich nur als theo­re­ti­sches Kon­strukt wie der Mathe­ma­tik beste­hen, in der 1+1=2 immer rich­tig ist, und es uns ein­fach gemacht wird einen Feh­ler auch als sol­chen zu erken­nen. In der rea­len Welt mit ihren unzähl­ba­ren Fak­to­ren, Ein­flüs­sen und Unge­nau­ig­kei­ten wird es dage­gen zuneh­mend schwie­ri­ger einen Feh­ler als sol­chen zu ent­lar­ven. Ein­mal abge­se­hen von der sich auch in der Evo­lu­tion immer wie­der stel­len­den Frage, ob der Feh­ler nicht vor­teil­haf­ter ist als das Feh­ler­freie. Mit die­ser und ähn­li­chen Fra­gen beschäf­ti­gen sich die fol­gen­den Sei­ten die­ses Buches – selbst­ver­ständ­lich auf äußerst feh­ler­hafte Weise.

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