So  18.06.06 

»Anatomie der Buchstaben« Buch

Veröffentlicht in: Typografie Keine Kommetare »

Ich hatte ja bereits vor gerau­mer Zeit einen Bei­trag über die­ses Buch geschrie­ben, als es gerade vom Her­mann Schmidt Ver­lag vor­ge­stellt wurde. Als nun auf dem Font­blog ein Bei­trag erschien der freu­dig über das Ein­tref­fen des Buches berich­tete, konnte ich mich nicht mehr zurück­hal­ten. Beim Font­blog ist übri­gens auch eine Lese­probe des Buches zu finden.

Mini Res­umé

Nach­dem ich nun das Buch ja bereits ein paar Tage in mei­ner Woh­nung her­um­lie­gen hab – hab’s ja schließ­lich sehr flott bestellt – wird es wohl Zeit für ein klei­nes Res­umé. Lei­der habe ich in letz­ter Zeit nicht beson­ders viel Muße gehabt zu lesen, doch mir gefällt »Ana­to­mie der Buch­sta­ben« aus­ge­spro­chen gut.

Das Ding selbst

Das Buch selbst ist natür­lich aus­ge­spro­chen fein – Ich liebe die ver­wen­dete Quadraat-Type ein­fach – und auch die Ver­ar­bei­tung und das Papier zeugt von guter Qua­li­tät, wobei zumin­dest bei dem Papier mir lei­der unan­ge­nehm auf­ge­fal­len ist, daß es etwas wirkt als wäre der Druck leicht gepu­dert – was sicher­lich nicht der Fall sein dürfte. Ich per­sön­lich bin da aber auch ein bis­sel emp­find­lich.
Auf den Fotos ist zu sehen, daß selbst der Lei­nen­ein­band kräf­tig gestal­tet wurde und iden­tisch zu dem Schutz­um­schlag aus­schaut. Zunächst fand ich das eine feine Sache – inzwi­schen find ich’s aber doch komisch. Da wäre eine etwas schlich­tere Gestal­tung für den Lei­nen­ein­band wie bei »Lese­ty­po­gra­fie« oder »Detail­ty­po­gra­fie« viel­leicht doch eher nach mei­nem Geschmack.

Der Inhalt

Das Buch glie­dert sich in die Bereiche

  • Groß­buch­sta­ben mit Serifen
  • Ein­lei­tung
  • Klein­buch­sta­ben mit Serifen
  • Seri­fen­lose Großbuchstaben
  • Seri­fen­lose Kleinbuchstaben
  • Zif­fern
  • Inter­punk­tion
  • Dia­kri­ti­sche Zeichen
  • Zurich­tung
  • Und nen bis­sel Anhang

Diese Glie­de­rung ist sehr stark zu spü­ren und unter die­ser Ober­glie­de­rung wer­den dann auf den ein­zel­nen Dop­pel­sei­ten die Buch­sta­ben Buch­stabe für Buch­stabe bespro­chen und genau ange­schaut. Wobei natür­lich ähn­li­che Let­tern auch zusam­men bespro­chen wer­den. Was mir hier schon ein­mal gefiel, ist zum einen daß so die Buch­sta­ben wirk­lich gut getrennt bespro­chen wer­den und zum ande­ren daß zum Glück nicht ein­fach nach ABC gear­bei­tet, son­dern etwas nach der Vor­ge­hens­weise der Schrift­ge­stal­tung vor­ge­gan­gen wird.
Dies ist natür­lich sehr rela­tiv zu ver­ste­hen da jede Type andere Metho­den und Schritte benö­tigt, aber für ein sol­ches Buch find ich’s passend.

Ebenso gut gefiel mir die Spra­che des Buches. Sehr sach­lich und nüch­tern – eben ana­to­misch. Es wird auf den ers­ten Sei­ten recht häu­fig dar­auf hin­ge­wie­sen, daß dies oder jenes natür­lich nicht für jede Schrift gilt – also daß man diese ana­to­mi­schen Detail­be­trach­tun­gen nicht direkt in einen Schrift­ent­wurf mün­zen las­sen kann – was wohl jedem Leser klar sein sollte. Doch die­ser Hin­weis wird zuneh­mend sel­te­ner so daß man nicht davon genervt wird.

Natür­lich wer­den in einem sol­chen Buch eher die gro­ßen lese­ty­po­gra­fisch brauch­ba­ren Schrif­ten ange­schaut, was den genauen Blick noch etwas schwie­ri­ger macht, da der Teu­fel eben bei einem guten Buch­sta­ben sehr stark im Detail liegt. In der Ein­lei­tung des Buches wird daher z.B. auch der Begriff Nano­ty­po­gra­fie ein­mal benutzt – ganz klar als Ver­weis zu dem Buch Detail­ty­po­gra­fie des glei­chen Ver­la­ges. Aber das trifft die Sache schon sehr gut. Es wird ana­to­misch exakt dem Buch­sta­ben in’s Auge geschaut um zu erken­nen, wie diese Form gestal­tet wurde.

Bei die­ser Betrach­tung hel­fen dann die aus­rei­chend groß abge­bil­de­ten Bei­spiel­buch­sta­ben mit exakt gezeich­ne­ten Hilfs­li­nien, Ras­ter­tei­len, Dick­ten­mes­sun­gen und diver­sen ande­ren Metho­dend der Visua­li­sie­rung. Auch sehr schön – und teils regel­recht erschüt­ternd schön – sind übri­gends die stu­den­ti­schen Typo­gra­fie­s­kiz­zen die sich zwi­schen die Sei­ten mischen.

Also ein schö­nes Buch wel­ches recht tref­fend den genauen Blick auf den Buch­sta­ben schult.

Preise und so

Einen Pfer­de­fuß hat die Sache natür­lich immer: Den Preis. Mit den typi­schen 68,– Euro ist das gute Stück kei­nes Wegs ein Schnäpp­chen. Es gibt auch die ame­ri­ka­ni­sche Ori­gi­nal­aus­gabe bei Ama­zon zu erste­hen, die sage und schreibe 26,90 Euro also weni­ger als die Häfte kos­tet. Doch weiß ich nicht wie das Teil innen wirk­lich ausschaut.

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